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Die Entstehung Madagaskars begann vor rund 150 Millionen Jahren mit der Abspaltung vom Urkontinent „Gondwanaland“, das die Antarktis, Australien, Indien und Südafrika umfasste. Die erste Besiedlung der Insel durch Menschen geht bis auf etwa 3.000 Jahre zurück, kann jedoch nicht genau festgelegt werden. Zwar sind Vermutungen aufgetaucht, dass einige Völker wie die Ägypter und Inder das Gebiet rund um Madagaskar und den Indischen Ozean bereisten um Gewürze zu suchen und auch die biblische König Salomon Gold auf der „Roten Insel“ suchen ließ, jedoch konnten diese Mutmaßungen weder durch Archäologische Funde noch andere Belege bestätigt werden.
Erst im 5. Jahrhundert wurde Madagaskar vor allem von austronesischen Seefahrern besiedelt. Im 9. und 10. Jahrhundert kamen zudem viele indonesisch-malaiische Völker sowie die afrikanische Bantu nach Madagaskar. Eine Mischung beider Völker - die bantu-indonesischen Mischlinge - ließen sich vor allem im Hochland nieder und bildeten das Volk der Vazimba. Es verschwand im Laufe des 17. Jahrhunderts oder vermischte sich mit den neuen Bewohnern der Insel. Auch arabische Immigranten die Madagaskar im 10. Jahrhundert besiedelten hinterließen ihre Spuren. Sie nannten die Insel „komr“, was mit „Mondinsel“ übersetzt werden kann. Später nannte man die angrenzende Inselgruppe „Komoren“. Madagaskar war in der Vergangenheit „ein Land mit vielen Chefs“. Damit waren die einzelnen Oberhäupter jedes Dorfes gemeint, wodurch sich im Laufe der Zeit viele kleine Königreiche bildeten. Dazu gehörte ebenfalls das Reich der Vazimba aus dem nachher das Reich der Merina hervorging sowie die Reiche Menabe im Süden, das der Boina im Norden, der Sakalava im Westen, der Betsimisaraka im Osten und der Bara im südlichen Hochland.
Im 14. und 15. Jahrhundert kam es zu „Vazimba-Kriegen“. Merina übernahmen die Siedlungen der Vazimba, zum Teil sogar durch Heiratsallianzen, sodass sich die Stämme vermischten. Bis heute werden die Vazimba-Königinnen Rafohy und ihre Tochter Rangita aus Merimanjaka bei Antananarivo als Nachkommen der Merina hochverehrt, ebenso wie Andriamanelo, der Sohn von Königin Rangita. König Andriamanelos Sohn Ralambo regierte von 1575 bis 1610. Seine Nachfolge trat sein Sohn Andrianjaka an, der noch im selben Jahr den Hügel Analamanga ("blauer Wald") auf der höchsten Erhebung des heutigen Antananarivo einnahm und das Volk der Vazimba verdrängte.
An dieser Stelle ließ er einen Palast auf dem Gelände des heutigen Rova in der Hauptstadt Antananarivo bauen, von wo aus er regierte. Während dieser Periode erreichte der Sklavenhandel seinen Höhepunkt. Viele der Fronknechte hatten eine dunkle Hautfarbe oder waren besiegte Feinde der Madagassen. Sie wurden zum Teil an europäische Länder verkauft und waren eine der Haupteinnahmequellen. Bis 1685 ging die Herrschaft über das Reich von Menabe - das erste Königreich der Sakalava - an den Gebieter Andriandahifotsy über. Ende des 17. Jahrhunderts entstand das Königreich Boina mit der Hauptstadt Tongay etwa 60 Kilometer südöstlich von Mahajanga, in dem der König Andriamandisoarivo das Sagen hatte.
Europäer französischen Ursprungs kamen um 1642 nach Madagaskar, wurden jedoch ebenso wie die Piraten von der Insel vertrieben. Erst ein Jahrhundert später bezogen sie einige Handelsstützpunkte an der Ostküste von Madagaskar. Zu dieser Zeit entwickelten sich im Reich der Betsileo im südlichen Teil des Hochlandes das Reich Lalangina mit dem König Rahasamanarivo, der das Gebiet zwischen 1650 und 1680 verwaltete. Daneben lag das Reich Isandra mit Andriamanalimbetany, der von 1750 bis 1794 König war. Zwischen 1780 und 1808 war Königin Ravahiny an der Macht. Sie war die letzte Herrscherin der Sakalava, bevor das Areal an die Merina überging.
Beginnend mit den Eroberungen von König Andrianampoinimerina von 1787 bis 1810 wurde die „Rote Insel“ schrittweise zu einem Staat vereinigt. Einfluss erlangten auch die Briten, die Merina-Truppen ausbildeten. Missionare gründeten zudem Schulen und verbreiteten das Christentum auf der Insel. Erst mit dem Ableben von Merina-König Radama I., der von 1810 bis 1828 herrschte und der Regentschaft von Radamas Witwe Ranavalona I., begann die Verfolgung aller Ausländer, der Abbau der Handelsbeziehungen mit Großbritannien und das Verbot der Ausübung des christlichen Glaubens. Lediglich der französische Ingenieur Jean Laborde, der um die 20.000 Menschen beschäftigte die Kanonen und andere Waffen für die Königin herstellten, durfte auf Madagaskar bleiben.
Als 1861 der Sohn von Ranavalona I., Radama II. an die Macht kam, stellte er den Kontakt zum Ausland wieder her und die Franzosen erhielten besondere Rechte. Dies stieß allerdings auf negative Reaktionen und Radama II. wurde nach nur zwei Jahren Amtszeit ermordet. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Feindseligkeiten mit den Franzosen. Königin Ravanola III., die Nichte der zweiten Witwe von Radama II. regierte Madagaskar bis 1896. Wegen öffentlicher Unruhen wurde es jedoch zur französischen Kolonie erklärt und Ravanola III. zusammen mit ihrem Premierminister von den Franzosen ins Exil geschickt. Einige Jahrzehnte später gab die französische Regierung General Gallieni den Auftrag, die zivile und militärische Macht zu übernehmen sowie die Monarchie und Sklaverei zu beenden.
1916 wurde eine geheime, nationalistische Gesellschaft verboten und Hunderte ihrer Mitglieder mussten ins Gefängnis. Abgeordnete die ins französische Parlament entsandt wurden, gründeten das „Mouvement Démocratique de le Renocation Malgache“ und nach der französischen Verfassung von 1946 wurde der Inselstaat und einige Dependancen Überseegebiete Frankreichs. Die Bewohner Madagaskars bekamen die französische Staatsbürgerschaft und sowohl die Lehrpläne der Schulen als auch die Verwaltung und Gesetzgebung wurde an die von Frankreich, dem „Mutterland“ angepasst.
Ein Aufstand im März 1947 von Seiten der Nationalisten wurde blutig niedergeschlagen. Offizielle Angaben deuten darauf hin, dass rund 89.000 Madagassen hingerichtet oder bei Kämpfen erschossen worden sind. Auf französischer Seite gab es kaum Opfer. In den 1950er Jahren versuchte Frankreich schrittweise die Selbstverwaltung Madagaskars zu erweitern. Während des Unabhängigkeitskongresses im Mai 1958 wurde Madagaskar unter dem Namen „Republik Malagassi“ zum halbautonomen Mitglied der französischen Gemeinschaft. Der Führer der sozialdemokratischen Partei Philibert Tsiranana, der die Verhandlung auf madagassischer Seite geführt hat, wurde zum Präsident ernannt und erster Präsident der Republik Madagaskar. Zwei Jahre später, im September 1960, wurde Madagaskar in die Vereinten Nationen aufgenommen.
Bis Anfang 1970er Jahren verlief alles friedlich. 1971 gab es dann die ersten Revolten im Süden des Landes, die letzten Endes zu einem Machtwechsel führten. Ein Militärputsch und der Studentenstreik führten dazu, dass nach dem Oberbefehlshaber der Armee, General Gabriel Ramanantsoa, der 1975 von anderen Militärangehörigen entmachtet wurde, sowie Oberst Ratsimandrava, den man kurz nach Amtsantritt ermordet auffand, Oberst Didier Ratsiraka zum Staatschef von Madagaskar wurde. Die Einführung einer sozialistischen Verfassung machte Madagaskar zur „Demokratischen Republik Madagaskar“.
1991 trat dann die Präsidialdemokratie in Kraft, als Ratsiraka durch Volksaufstände zum Rücktritt genötigt wurde. 1993, zwei Jahre später übernahm Albert Zafy das Amt des Präsidenten, der durch eine Stichwahl im Februar 1993 gegen Ratsiraka siegte. Er wurde allerdings im Jahr 1996 erneut von Didier Ratsiraka abgelöst. Seine Partei, die „Association pour la Renaissance de Madagascar " (AREMA), war auch bei den Wahlen von 1998 die stärkste Fraktion, allerdings nicht mit absoluter Mehrheit. 2001 fanden die nächsten Präsidentschaftswahlen statt, an denen auch der Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo und Marc Ravalomanana teilnahm. Er erhielt zwar die Mehrheit der Wähler, doch auf Grund der Wahlmanipulationen versuchte sich Didier Ratsiraka weiterhin im Amt des Präsidenten zu halten. 2002 ging er nach Frankreich ins Exil und seit dem ist sein Herausforderer Marc Ravalomanana der Präsident von Madagaskar.
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